Die Ausstellung entfaltet sich als räumliches Übergangsritual, das weniger erzählt als initiiert. Sie führt die Besucher:innen durch eine Abfolge von Schwellen – von Mund zu Dunkelheit, von Spiel zu Orakel, von Takt zu Blick und macht erfahrbar, wie Körper, Affekte und Technologien in Ordnungen eingespannt sind, die zurückblicken.
Am Eingang markiert eine großformatige Druckarbeit mit zwei sich begegnenden Mündern keinen Auftakt, sondern eine Handlung: Eine Zunge, die in den Mund des Gegenübers eindringt, steht zugleich für Sprache, Intimität und Macht, für Austausch wie für Invasion. Der Eintritt wird zur Passage durch einen Körper, eine Haut, eine Ordnung; Innen und Außen, Beobachtende und Beobachtete sind porös.
Im Dunkel des ersten Raums treffen Kinderstimmen auf ein eingeübtes „Niemand“, Angst erscheint nicht als individuelles Gefühl, sondern als kollektive Disziplinierung, als Affektregime. Kindheit wird zum Ort früher Einschreibungen, an dem Antworten, Rollen und Verantwortlichkeiten festgelegt werden, bevor ein Subjekt sich selbst artikulieren kann.
Im zweiten Raum wird das Kinderorakel „Himmel & Hölle“ von KI-generierten Aussagen unterwandert. Aus einem Spiel wird ein Bild algorithmischer Autorität, in dem Wissen nicht neutral, sondern programmiert und interessengeleitet auftritt, als Weissagungsinstanz einer vorstrukturierten Zukunft. Gleichzeitig werden auf Pergamentleder projizierte Märchenbilder, urbane Spuren und Schrift zu Einschreibungen von Stigma, Scham und Zuschreibung; der Raum liest sich wie ein markierter Körper.
Der Weg kulminiert in einer Dirigent:innenfigur, deren Gesten einen unhörbaren Takt strukturieren und den Blick auf das Publikum zurücklenken. „Himmel“ & „Hölle“ erscheinen hier als Zustände von Sichtbarkeit, Kontrolle und Ausgeliefertsein. Die Ausstellung beansprucht keinen Außenstandpunkt, sondern legt ihre eigenen Lenkungen offen. Queerness fungiert als Methode des Dazwischen: Sie verschiebt binäre Ordnungen und macht den Ausstellungsraum als Apparat sichtbar, in dem Angst, Vertrauen und Kontrolle körperlich verhandelt werden, ohne beruhigende Auflösung, mit einer Frage, die im Raum bleibt.
verlängert bis 23.05.2026
Mi – Fr 12:00-17:00, Sa 11:00-15:00
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